Herbe Enttäuschung kurz vor Weihnachten: In einem nervösen Kellerduell mit Bayreuth kassieren die Münchner eine bittere Niederlage – vor allem, weil ihnen ein zwischenzeitliches Erfolgsrezept abhandenkommt. Die Entscheidung fällt vier Sekunden vor Schluss.
Gesprochen wurde nach der Schlusssirene wenig. Sichtlich enttäuscht und mit hängenden Köpfen rollten die Iguanas vom Spielfeld. Sie hatten soeben eine große Chance vertan – auf den ersten Saisonsieg, auf ein erstes zählbares Erfolgserlebnis. Nicht wurde es mit einem Statement im bayerische Bundesligaduell und einem guten Gefühl für die Feiertage. Stattdessen jubelten die Gastgeber des RSV Bayreuth.
Es war das erste Mal in dieser Spielzeit, dass die Münchner als Favoriten in eine Partie gingen – schließlich hatten sie die vergangenen beiden Duelle mit den Oberfranken gewonnen. In Bayreuth hatte es über den Sommer zwar einige personelle Wechsel gegeben, aber auch die Iguanas hatten sich verstärkt. Trotzdem hatten beide Teams bislang alle Spiele in dieser Saison verloren. Umso bedeutsamer war dieses direkten Kellerduell.
Silberman sorgt für Bayreuther Führung
Der Druck war von der ersten Sekunde an zu spüren. Beide Teams agierten nervös und fehleranfällig. Ein schwacher Spielbeginn ist in dieser Saison fast schon unschöne Iguana-Tradition, das war auch in Bayreuth nicht anders. Erst nach knapp fünf Minuten gelang den Münchnern der erste Korberfolg aus dem Spiel heraus. Die Gastgeber warfen nicht ganz so viel daneben und führten nach dem Auftaktviertel mit 16:10.
Im Bayreuther Angriff gab es vor allem eine Spielerin als Dreh- und Angelpunkt: Mary Silberman. Sie galt es in den Griff zu bekommen – und das gelang im zweiten Viertel ganz hervorragend. Die Iguanas setzten die RSV-Topscorerin in der Defensive früh unter Druck, schenkten ihr keine leichten Abschlüsse mehr und machten auch die Passwege eng.
Iguanas drehen Partie mit starkem 2. Viertel
Auf Seiten der Münchner war Florian Mach mit nach Oberfranken gereist. Für den Center war es der erste Saisoneinsatz. Er hatte sich aus privaten Gründen weitgebend aus dem Bundesligaalltag verabschiedet – dass er aber sportlich noch immer mehr als nur mithalten kann, war auch in Bayreuth zu sehen. Mach leitete das Iguana-Comeback ein. Nach einem 11:2-Lauf führten die Münchner mit 21:18. Doch noch immer lag Nervosität wie eine schwere Decke auf dem Spiel. Ein Beweis: In den letzten fünf Minuten vor der Halbzeit gelang keinem Team auch nur ein einziges Pünktchen. Über das ganze Spiel lag die Bayreuther Trefferquote bei schwachen 34 Prozent, bei den Münchnern sogar nur bei 32 Prozent.
Dennoch waren die Iguanas zur Pause wieder positiver gestimmt: Es wirkte, als hätte man das Erfolgsrezept dieser gefunden: Silberman stoppen. Nun im eigenen Angriff noch ein wenig besonnener agieren, dann würde das schon klappen mit dem ersten Saisonsieg.
Doch statt den Plan konsequent weiterzuverfolgen, ließen die Iguanas Silberman wieder mehr Platz – und den wusste die Israelin zu nutzen: Neun ihrer insgesamt 18 Punkte sammelte sie allein im dritten Abschnitt. Für die Münchner hielt vor allen ein kämpferischer Lukas Haider mit acht Zählern dagegen. Mit insgesamt 13 Punkten wurde Haider am Ende bester Werfer der Münchner. Keines der Teams konnte sich entscheidend absetzen, so gingen die Leguane mit einer knappen Zwei-Punkte-Führung in den Schlussabschnitt.
Vorentscheidung mehrfach verpasst – und spät bestraft
Mit einem schnellen 6:1-Lauf schoben sich nun wieder die Gastgeber in Front, aber die Münchner blieben dran. Die förmlich greifbare Nervosität stieg im Schlussabschnitt noch weiter, was sich auch darin äußerte, dass beide Teams vermeintlich einfachste Abschlüsse daneben setzten.
Knapp drei Minuten vor Ende stand es 45:44 aus Sicht der Iguanas – die es dann gleich mehrfach verpassten, die Partie mit klaren Offensivaktionen zu entscheiden. Die Strafe folgte ganz zum Schluss: Nach einem wilden Münchner Dreier am Ende der Wurfuhr sammelte Bayreuth den Rebound ein. Silberman durften den Ball unbehelligt nach vorne bringen. Pass zu Dario Schulz, der unter dem Korb wartete und aus kürzester Distanz versenkte. Auszeit Iguanas bei noch vier Sekunden zu spielen. Doch statt einem letzten Abschluss und Rettung mit der Schlusssirene landete der Ball beim Gegner. Endstand 46:45 für Bayreuth.
Mit dieser bitteren Niederlage und einer satten Portion Enttäuschung gingen die Münchner in die Weihnachtspause. Die Devise lautete: Kopf freibekommen, Lockerheit zurückgewinnen. Die nächste Gelegenheit, um Selbstvertrauen zu tanken und wieder in die Spur zu finden, gibt’s im Pokal. Im Viertelfinale (Samstag, 10. Januar, 18 Uhr) empfangen die Iguanas zuhause die Allianz Rollers aus Ulm.
